Maddie - Der Widerstand geht weiter

Maddie - Der Widerstand geht weiter  - Katie Kacvinsky, Ulrike Nolte Ich mochte den ersten Teil der Trilogie rund um Maddie und Justin schon sehr. Außerdem hat es mir der männliche Hauptprotagonist angetan. Neben dem guten Thema um die Zukunft und ihre Online–Welt waren das genug Gründe, um die Fortsetzung zu lesen.Offiziell steckt Maddie nach den Geschehnissen im ersten Teil in einem Umerziehungscenter, aber ihr einflussreicher Vater hat seine Beziehungen spielen lassen, sodass Maddie bei ihrem Bruder wohnt, um den Abschluss in der Digital School zu beenden. Sie hat lange nichts von Justin gehört und trifft ihn ausgerechnet in einem Club wieder. Dort hat Maddie das System lahmgelegt, den in dem Club treffen sich die Leute, um letztendlich online zu tanzen, anstatt auf einer echten Tanzfläche. Zusammen mit Justin türmt sie und auf der Flucht retten sie noch einen Anhalter, einen Jugendlichen, der dem System entfliehen will. Maddie gerät jedoch in die Fänge von Damon, der sie ohne Zögern in ein Umerziehungscenter steckt. Jetzt kann nicht mal mehr ihr Vater Maddie helfen. In dem Center muss sie einen klaren Kopf bewahren. Gar nicht so einfach, wenn man unter Drogen steht und jede Nacht Alpträume hat.Erster Satz: Ich habe über hundert Online–Profile.Idee: Ich musste zwar direkt an “Clockwork Orange” denken, als ich das Buch gelesen habe, aber dennoch finde ich die kritische Sicht auf soziale Netzwerke und die Kraft der digitalen Welt wichtig. Maddie in diesem Teil leiden zu lassen ist hart, aber eine gute Idee.Plot: Das Buch ist in drei Teile aufgeteilt, was ich sehr gut und passend finde, da es eine Zeit vor und nach dem Center gibt. Nahezu nahtlos an Band eins steigt man in die Geschichte ein und ich musste erst och mal kurz überlegen, wer denn die ganzen Personen sind, die da wieder auftauchen. Das ging aber nach ein paar Seiten. Zunähst erlebt man Maddie in der normalen digitalen Welt. Aufgeweckt, frech und so gar nicht abweichend von ihren Prinzipien. Dann kommt allerdings der interessante und wichtige Mittelteil des Buches. Obwohl es der beste Teil inhaltlich ist, muss ich meckern. Ich versuche so wenig wie nötig zu spoilern. Achtung:Spoiler Allerdings regt dieser Teil viel zum Nachdenken an, was dem Lesefluss wieder zugutekommt. Allgemein betrachtet ist der Plot schlüssig und für den Fortgang der Geschichte gut gewählt und aufeinander gebaut.Schreibstil: Wieder Ich-Perspektive im Präteritum. Bekanntermaßen meine Lieblingsperspektive. Wieder ist die Geschichte gespickt mit Tagebucheinträgen, was eine schöne Abwechslung ist. Sehr gut gefallen haben mir Maddies Gedankengänge. Sicher gab es auch Wiederholungen, aber ich konnte alles nachvollziehen und das sich Gedanken wiederholen, ist völlig normal. Katie Kacvinsky hat keinen besonderen Stil, der sie einzigartig machen würde, aber man kann den Text gut lesen. Wieder konnte ich das Buch kaum aus der Hand legen. Das liegt sicher auch an der Handlung, aber der einfache Stil begünstigt natürlich ein schnelles Lesetempo.Charaktere: Maddie ist man in diesem Teil besonders nah gekommen. Sie ist forsch, mutig, liebevoll, gerissen, aber auch verletzlich und zerrissen. Sie hat mir sehr gut gefallen. Justin ist … hach. Einer dieser männlichen Protagonisten, die ich total liebe. Ich mag zwar seine Basecap nicht, aber das ist ja Geschmackssache. Was ihn eigentlich ausmacht, ist sein Witz, seine Unnahbarkeit, aber auch gleichzeitig seine gefühlvolle Seite. Es wird aufgeklärt, warum er sich so um Maddie sorgt. Meiner Meinung wäre das nicht nötig gewesen und ich finde es ein bisschen zu amerikanisch/Hollywood, aber dennoch mag ich seinen ruhelosen Charakter. Beide in Kombination ist wunderbar in den guten, aber auch den schlechten Zeiten.Erwähnen muss ich einen neuen Charakter: Gabe. Erst dachte ich, jetzt gibt es ein Love-Triangle, aber dem ist nicht so. Ich bin gespannt, ob Gabe im dritten Teil noch mal aufgenommen wird, denn er birgt großes Potenzial und hat schon in diesem Teil eine wichtige Rolle.Hintergrund: Ich habe ja schon angemerkt, dass ich nicht so ganz von dem Umerziehungscenter überzeugt war. Meiner Meinung hätte man da an der Logik mehr arbeiten müssen. Was ich jedoch richtig gut finde, ist die Beschreibung der digitalen Welt. Die ganzen Wandschirme, die digitale Disco und das ganze Oberflächliche, was das mit sich bringt. Allerdings glaube ich, dass wir der Welt in der Maddie-Trilogie viel näher sind und diesen Zustand noch lange vor 2060 erreichen.Ich unterstelle der vielgereisten Autorin mal, dass sie einige alternativ lebende Leute auf ihren Reisen getroffen hat. Denn die Beschreibungen von Eden passte total. Ich habe mich dort so wohl gefühlt, dass ich am liebsten wirklich dort gewesen wäre.Fazit: Ich mag diese Trilogie. Einfach schon vom Thema her. Man denkt kritisch über Facebook und Co nach. Dabei ist mir aufgefallen wie viel Zeit ich selbst im Internet verbringe und sogar bei jedem Urlaub überlege, ob ich da Netzanbindung habe. Auch wenn der Stil nicht besonders hervorsticht und ich ein paar Kritikpunkte habe, finde ich es dennoch absolut empfehlenswert. Dafür behandelt und beleuchtet Katie Kacvinsky das Thema zu brisant. Die Reihe ist keine typische Dystopie. Sie geht wirklich tief, wenn man sich Maddies Gedanken bewusst macht und Parallelen zu unserer Welt zieht. Trotz Kritik ein berührendes Buch, denn dafür geht der Mittelteil einfach zu sehr unter die Haut.