Das Buch aus Blut und Schatten

 

Autor: Robin Wasserman

 

Originaltitel: Book of blood and shadow

Übersetzer: Bea Reiter

 

Erscheinungsdatum: 1. Juni 2013

 

ISBN-13: 978-3401068114

 

Verlag: Arena

 

Gebundene Ausgabe: 537 Seiten

 

Klappentext: Vor der Mordnacht hatte Nora zwei beste Freunde, Chris und Adriane. Und Max, den sie liebte. Nach jener Nacht hat sie Chris’ Blut an den Händen, Adriane steht unter Schock – und Max ist verschwunden. Was bleibt, ist ein okkultes Buch, das in jener Nacht seine grausige Botschaft offenbarte: Blut und Tod. Was bleibt, ist das mysteriöse Signum von Chris’ Mördern – einer jahrhundertealten Geheimgesellschaft. Gefangen zwischen Lüge und Schatten, behält Nora nur eine Gewissheit: Chris’ Blut war erst der Anfang – und sie selbst wird das Ende sein.

 

Frau Kern vom Arena Verlag hat mir “Das Buch aus Blut und Schatten” auf der Messe vorgestellt und ich fand es sofort interessant. Verschiedene Charaktere, ein Buch, eine geheime Gesellschaft … Ja, das ist der Stoff, der mich durchaus angezogen hat. Dennoch wird dies für mich eine schwere Rezension, denn so richtig hat mich das Buch nicht überzeugt, obwohl es gut ist.  Ja, richtig gelesen, denn ich glaube einfach, das Thriller nicht mein Genre ist.

 

Erster Satz: Wahrscheinlich sollte ich mit dem Blut anfangen.

 

Idee: Ein altes geheimnisvolles Buch, alte lateinische Briefe und die Jagt hinter einem historischen Geheimnis, gepaart mit ein paar Jugendlichen hört sich nach Abenteuer an. Die Idee ist sicher nicht neu, aber trotzdem ansprechend.

 

Plot: Alles fängt mit dem Prolog an, der im Grunde das Ende des ersten Buchteils darstellt. Das Buch ist in mehrere Teile unterteilt, die in sich auch immer einen Abschnitt der Handlung abschließen. Da ist z. B. der Teil, der nur in Prag spielt. Diese Aufteilung fand ich total gut und hat mir klasse gefallen. Besonders waren die Briefe von Elizabeth, die Nora übersetzt hat. Man musste sich daran erst an die alte Ausdrucksweise gewöhnen, aber dann gestaltete es sich ganz gut. Auch wenn ich zugeben muss, dass die Länge der Briefe mich zum Schluss hin genervt hat. Insgesamt ein logisch aufgebauter Plot, allerdings kamen für mich keine Szenen total überraschend daher. Thriller lese ich eigentlich nicht, gucke aber ziemlich gern solche Filme. Wenn ich den Fortgang der Geschichte also im Ganzen betrachte, finde ich den Aufbau recht typisch. Mir hat mehr Spannung gefehlt, denn manche Dinge waren für mich  zu vorhersehbar und es gab Stellen in der Erzählung, die mich von der Länge gestört haben. Es hat eben nicht dieses Gefühl eingesetzt, bei dem ich unbedingt weiterlesen möchte.

 

Schreibstil: Erzählt wird als Ich-Erzähler Noras, im Präteritum. Die Briefe aus Elizabeths Sicht sind dazwischen natürlich eine Abwechslung. Im Allgemeinen kein schlechter Stil. Die Dialoge sind teils witzig und stachen für mich besonders hervor. Was ich nicht so gern mochte, waren die Beschreibungen der Umgebung zwischendurch. Was andere Leser mögen, bringt mich oft zu sehr aus dem Fluss. Mir war es schlichtweg zu detailreich.

 

Charaktere: Ich mag Bücher, in denen mehrere Charaktere nahezu einen gleichen Stellenwert und Präsenz einnehmen. Sicher sticht Nora durch die Ich-Perspektive  und ihrer wachsenden besonderen Beziehung zu der toten Elizabeth heraus. Sehr mochte ich auch die Beziehung zwischen Nora, ihrem besten Freund Chris und dessen Freundin Adriane. Ein etwas ungewöhnliches Trio, dessen Entstehung und Zusammenhang die Autorin jedoch sehr intensiv darstellt. Max, Noras späteren Freund habe ich als Nerd empfunden. Bei ihm fehlte mir etwas der Tiefgang, obwohl er eine wichtige Rolle spielt, blieb er für unnahbar. Das ist zwar sicher so gewollt, hat mich aber zu sehr von dem Charakter entfernen lassen und so konnte ich Noras tiefe Gefühle für ihn nicht wirklich empfinden. Eli, der plötzlich auftaucht und als Chris Cousin mit auf die Suche nach dem Geheimnis geht, ist interessant. Mir war recht schnell seine Rolle klar, aber das wird nicht jedem Leser so gehen.

Die Figuren wirken bewusst gewählt mit ihren Eigenschaften und ihre Zusammenstellung bleibt etwas konstruiert, obwohl die Autorin es geschafft hat sie natürlich miteinander agieren zu lassen. Dennoch: Nora ist eben das Mädchen mit dem toten Bruder, bei dem man Mitleid hat und das man beschützen möchte. Chris ist der nach außen hin lebenslustige Typ, für den ein Mädchen als bester Freund ganz normal ist. Adriane ist der besondere Mensch, der auch als Freundin von Nora natürlich die gegenseitige Position einnimmt. Sie vollführt lieber Yogaübungen und bringt sich nur Nora und Max zuliebe in Schwierigkeiten. Max, der Nerd, dem man die Beziehung zu Nora eigentlich nicht vermuten lässt. Eli, der undurchsichtige tschechischstämmige Amerikaner, der natürlich die Sprache beherrscht und somit unverzichtbar für den Aufenthalt in Prag ist.

 

Hintergrund: Ich war nie in Prag und fühlte mich zeitweise von den ganzen Beschreibungen erschlagen. Somit ist mir dieser Part des Buches auch am meisten in Erinnerung geblieben. Ich kann den Hintergrund nicht schlecht bewerten, denn  die Autorin hat ihre Hausaufgaben gemacht. Mir persönlich war es aber zu viel. Ein wenig hatte ich das Gefühl von Reiseführer.

Die Idee, das wirklich existierende Voinich-Manuskript als Grundlage zu nehmen finde ich gut.

Die Autorin hat sich viel Mühe gemacht, so scheint es mir, ihre sämtlichen Charakternotizen und Hintergründe in den Text einzubinden. Für meine Begriffe zu viel des Guten, aber das ist meine persönliche Meinung. Im Grunde ist es nur gut, dass sich so viele Gedanken zu den Charakteren gemacht werden, aber manches hätte Autorenwissen bleiben können.

 

Fazit: Thriller ist, was lesen anbelangt, einfach nicht mein Ding. Mir hat die Idee wirklich gut gefallen und ich habe mich sehr auf das Buch gefreut, aber ich hätte die Geschichte viel lieber verfilmt gesehen. Leider war mir durch die vielen Erzählungen Noras und die teilweise recht langen Übersetzungen der Briefe etwas der Lesespaß gehemmt. Was noch (im wahrsten Sinne des Wortes) dazu kommt: die Ausmaße dieses Buches. Arena ist für hochwertig aufgemachte Bücher bekannt, aber diese ca. 550 Seiten dickes Papier und die schweren Buchdeckel muten an, unverwüstbar zu sein. Ich wage zu behaupten, dass meine Armmuskeln etwas zugenommen haben.

Die Auflösung am Schluss hat mich etwas unbefriedigt zurückgelassen und im Endeffekt hab ich immer noch keine Ahnung was das Lumen Dei ist, dem alle hinterhergejagt haben. Das Buch war nicht schlecht, eine interessante Story, die zu einem Film taugt, aber eben nicht meins.

Für alle, die Prag lieben, sterbende Charaktere gut finden und Geschichte mögen, die detailreich erzählt werden.

Quelle: http://aislingbreith.de/blog/2013/08/03/das-buch-aus-blut-und-schatten