Interview mit Daniela Kern von Arena

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Bei Arena hatten wir Zeit in Ruhe im »Hinterzimmer« mit Daniela Kern zu sprechen, die bei Arena für den Online-Bereich verantwortlich ist. Dieses Interview haben wir im Oktober 2012 auf der messe in Frankfurt geführt.

 

Wie viel Neuerscheinungen hat Arena im Jahr?
Zwischen vier- und fünfhundert. Ein Halbjahreskatalog umfasst ungefähr 250 Titel. Dies umfasst alle Bereich von Büchern für Kleinkinder über Erstleser, Kinderbücher, Jugendbücher und das Taschenbuchprogramm.

 

Wie hoch ist bei Arena die Auflagenhöhe?
Das kann man pauschal nicht sagen. Es sind immer Einzelfallentscheidungen. Sie resultieren aus der Abwägung, in welchem Zeitraum man mit welcher Nachfrage rechnet. Weder sollen zu viele Bücher zu lange im Lager liegen noch möchte man nach sehr kurzer Zeit nachdrucken müssen.

Bei Reihen, wie z. B. die Edelstein-Trilogie, wird man, sofern der erste Teil gut läuft, den zweiten Teil gleich höher auflegen. Bei Debütautoren sind die Zahlen geringer. 5000 ist keine riesige Auflage, aber schon ganz gut. Man muss eben auch abwägen, was man sich von einem Titel verspricht, um die Höhe festzulegen.

 

Was glaubt ihr passiert, wenn »Rubinrot« jetzt im Kino anläuft?
Es wird natürlich entsprechende Ausgaben mit Filmcover geben und auch einen Fotoband. So spricht man auch noch mal eine andere Zielgruppe an.

 

Wie groß sind die Chancen als neuer deutscher Autor bei euch aufgebaut werden?
Die Lektoren sind sehr interessiert an neuen Gesichtern und neuen Namen. Das spiegelt sich vor allem in der Arena Thriller Reihe wieder. Dafür werden immer wieder Autoren angesprochen, die bereits im Erwachsenengenre erfolgreich sind, ob sie ein Jugendbuch schreiben möchten. In der Reihe gibt es keine Lizenztitel, sie wird ausschließlich von deutschen Autoren geschrieben.

Wir sprechen viele Autoren an, aber es passiert auch, dass wir unter den unverlangten Manuskript-Einsendungen jemanden finden.

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Wie wird bei Arena aus dem Stapel unaufgeforderter Manuskripte ausgesiebt?
Man muss sich das so vorstellen: Es gibt ein Regal, in dem alle Einsendungen liegen. Die Lektoren schauen immer wieder durch, wenn es der normale Arbeitsablauf erlaubt und sichten die Einsendungen.

 

Wie lange dauert die Bearbeitung im Schnitt?
Ein gutes halbes Jahr.

 

Wie wichtig sind Agenturen?
Was über Agenturen kommt, lässt schon auf gut vorsortierten Stoff schließen. Meist wissen die, was für uns interessant ist und es nimmt natürlich einen großen Teil an Arbeit ab.

 

Arbeitet ihr immer mit den gleichen Agenturen?
Meistens. Es gibt Agenturen, die speziell im Kinder- und Jugendbuchbereich tätig sind. Da sind die versierten Agenturen, mit denen wir schon länger arbeiten, natürlich kommen aber auch neue Agenturen dazu.

 

Wie kann man sich die Programmplanung vorstellen?
Es gibt zwei Programmbereiche im Verlag mit jeweils einer Leiterin. Die sitzen tatsächlich mit dem Verleger zusammen und diskutieren, was als nächstes ins Programm kommt.

 

Wie viel Zeit vergeht, bis ein Buch herauskommt? Wie viel Zeit bekommt ein Autor?
Sobald ein Buch in einem Programm eingeplant ist, gibt es einen Abgabetermin für das Manuskript. Wenn ein Autor ein Manuskript abgibt, stehen 5 – 6 Lektoratsdurchgänge an. Danach geht es erst in die Korrektur an zwei Korrektoren. Dann erst kommt der Druck.

 

Wie steht ihr zu Reihen?
Ich höre immer wieder, dass es nicht noch eine Reihe geben muss, aber es gibt auch die Leser, die sich wundern, wenn etwas nicht fortgesetzt wird. Wir versuchen eine gesunde Mischung hinzubekommen.

 

Wie ist das mit Illustratoren und Übersetzern? Sind die angestellt?
Das sind Freiberufler, wobei wir auch hier schon mit manchen länger zusammenarbeiten und manche neu dazu kommen.

 

Wie wichtig ist die Zusammenarbeit mit den Blogs?
Wir gucken uns jeden Blog lange an. Für mich ist wichtig, dass die Rezensionen reflektiert sind. Ich ärgere mich über Rezensionen, in denen der Schritt fehlt, weiter zu denken: Warum hat mir der Protagonist nicht gefallen? Warum fand ich dieses und jenes nicht gut. Auch muss geguckt werden, wie das Buch zum Leser passt. Wenn ich als 25-Jährige schreibe, dass ein Thriller ab zwölf mich nicht packt, heißt das nicht, dass es nichts für Zwölfjährige ist. Mich ärgert, wenn man so weit nicht denkt.

Auch wenn einem ein Buch nicht gefallen hat, muss diese Meinung nachvollziehbar dargestellt sein. Man sollte immer Respekt vor der Arbeit des Autors haben und jedem Buch seine Leserschaft zugestehen. Ich finde es schade, ein Buch als "nicht empfehlenswert" abzustempeln, nur weil es nicht zu einem gepasst hat.. Es ist besser herauszustellen, für welche Zielgruppe es zu empfehlen ist, denn ich denke, jedes Buch hat seinen Leser. So differenziert würde ich mir die Rezensionen wünschen. Es gibt auch viele Blogs, die das so handhaben.

 

Werden Blogs auch mal aus dem Verteiler entfernt, wenn die Zusammenarbeit hakt?
Das ist bisher noch nicht passiert.

 

Ist es schon passiert, dass Leseexemplare von Bloggern nicht rezensiert wurden?
Das kommt vor, aber es passiert selten.

 

Sollten die Rezensionen in einem bestimmten Zeitrahmen erscheinen?
Es kommt alle halbe Jahre ein neues Programm heraus. Wenn die Rezension innerhalb von zwei bis drei Monaten des aktuellen Programms erscheint, ist das in Ordnung. In dem Zeitraum sind die Bücher aktuell. Ich habe aber auch nichts dagegen, wenn mal ein Titel aus der Backlist besprochen wird.

Vielen Dank für das tolle Interview.

Quelle: http://aislingbreith.de/wp-admin/post.php?post=3031&action=edit